Nachruf Helmut Ebert

Helmut Ebert, Mitbegründer des Pasinger Archivs, ist am 31.Dezember 2010 verstorben

Nein – ein Pasinger war er nicht, zumindest kein geborener Pasinger. Genau genommen wurde er zweimal geboren. Das erste Mal wurde Helmut Ebert am 28. März 1930 in Frankfurt am Main geboren. Dorthin hatte es seine Eltern durch einen arbeitsbedingten Ortswechsel verschlagen. Nach ganz kurzer Zeit wurde sein Vater, ein Oberregierungsrat bei der Bahn, nach Berlin versetzt, und Helmut musste umziehen. Als Helmut Ebert gerade neun Jahre alt war, verstarb unerwartet sein Vater. Mutter Ebert war nun auf sich allein gestellt, und so zog sie 1939 mit ihren Kindern Helmut und Brigitte (spätere Hasselwander) zurück in ihr Haus nach Pasing, welches sie und ihr Mann wenige Jahre zuvor hier erbaut hatten.

Im Jahre 1939 wurde Helmut Ebert ein zweites Mal geboren – und diesmal als Pasinger. Pasing sollte Mittelpunkt seines Lebens werden. Schon als kleines Kind entdeckte er seine Umgebung und zog zusammen mit seiner Schwester Brigitte und seinen Freunden kreuz und quer durch Pasing. Natürlich besuchte er auch in Pasing die Schule, zuerst die Schererschule und dann die Oberschule. Nach seinem Jurastudium in München und dem erfolgreich abgelegten Staatsexamen fand er eine Anstellung als Jurist in der Bezirksdirektion einer großen Versicherung, der er bis zu seiner Pensionierung treu blieb. Der junge Jurist heiratete seine Frau Rosemarie, und beide freuten sich sehr, als ihre beiden Kinder Stefan und Julia kamen.



Helmut Ebert war fest mit Pasing verwurzelt. Es gab kaum eine Ecke, welche er nicht kannte. Dazu trug auch seine Zeit bei der Pasinger Rotkreuz-Kapelle mit etlichen Auftritten bei. Beim „Kobl Fritz“, dem Chef der Blaskapelle, spielte er Trompete und hatte viel Spaß dabei. Helmut war einige Zeit Mitglied bei der Pasinger Esperanto-Gruppe, wo er die Weltsprache erlernte. Auch wenn er einige Auslandsreisen unternahm, so interessierte ihn doch sein Pasing mehr als die übrige Welt.
Helmut Ebert war begeisterter Sammler und immer neugierig. Genau dies machte ihn so wertvoll für eine Idee, die sich Pasinger Archiv nennt. 1963 hatte er einen Traum. Er wollte die Umgebung, in welcher er lebte, im Bild festhalten, damit man auch später noch sehen konnte, wie Pasing einmal aussah. Zusammen mit seinem Neffen Thomas Hasselwander entwickelte er das Pasinger Archiv. Schnell sammelten die beiden nicht nur alte und neue Fotos, sondern auch Zeitungsartikel, Lebensläufe, Festreden oder Speisekarten. Als das Archiv an Bestand zunahm, sollten die Ergebnisse ihres schönen Hobbys auch anderen zugänglich gemacht werden. 1982 brachten die beiden die erste Ausgabe der Schriftenreihe Pasinger Archiv heraus und ließen längst vergessene Dinge wieder neu aufleben. Jedes Jahr folgte ein weiterer Band – inzwischen sind es 31 Ausgaben, eine Pasing-Dokumentation mit insgesamt über 3000 Seiten.

Helmut Ebert fotografierte gerne und viel. Oft verschwand er für Stunden im Keller, um in seinem gut ausgestatteten Fotolabor Filme zu entwickeln und Fotos abzuziehen. Seinem Neffen Thomas Hasselwander brachte er diese Kunst bei, und dann standen beide nächtelang im Keller. Ergebnis sind heute die greifbaren Erinnerungen aus dem Pasing von gestern und heute. Und sind wir ehrlich: Wer sieht nicht gerne mal zurück in die Tage von damals und schmunzelt darüber?

Immer charmant und gut gelaunt, so kannte man ihn. Täglich war er in Pasing unterwegs in Wirtshäusern, auf der Straße, bei Freunden und Bekannten oder bei unzähligen Veranstaltungen. Wo er hinkam – er kannte jeden mit Namen, und jeder kannte ihn. Immer war seine „flinke Kamera“ dabei, um Material für das Pasinger Archiv zusammenzutragen. Helmut Ebert befasste sich gerne mit der Beschaffung von neuen Dokumenten und dem Zusammentragen von Hintergrundinformationen. Sein Geschick im Umgang mit Menschen kam ihm dabei zugute, und oft kam er mit neuen Erkenntnissen zurück. Für seine Tätigkeit beim Pasinger Archiv wurde er ausgezeichnet mit dem Pasinger Kulturpreis, der Medaille „München leuchtet“ und der Bezirksmedaille.

Helmut Ebert war etwas Besonders, fast ein Pasinger Original. Er wusste das Leben zu leben, und er liebte das Leben. Vor zwei Jahren erlitt er einen Schlaganfall. Er hatte Glück, da seine Fähigkeiten nur wenig eingeschränkt waren. Nur hin und wieder hatte er Schwierigkeiten bei der Wortfindung. Auch wenn ihm dadurch manches schwerer fiel, gab er seine Arbeit im Pasinger Archiv nicht auf. Von der Öffentlichkeit zog er sich etwas zurück und arbeitete jetzt mehr am Computer zu Hause. An der Jubiläumsausgabe zum 30. Jahrgang arbeitete er noch aktiv mit. Auf dem Foto im Nachwort der Ausgabe 2011 sieht man Helmut, wie er in unserer Druckerei wenige Wochen vor seinem Tod auf der Druckmaschine steht und den Andruck anschaut.

Am Silvestermorgen hat Helmut Ebert sein geliebtes Pasing für immer verlassen. Am 31. Dezember 2010, kurz vor seinem 81. Geburtstag, verstarb er völlig unerwartet in seinem Haus in Pasing. Er war einfach eingeschlafen. Nicht nur uns Pasingern wird er fehlen. Aber es fehlt noch etwas: eine seiner Kameras. Die hat er wohl dabei, wenn er jetzt auf seiner Wolke sitzt und Pasing fotografiert – jetzt von oben, ganz bestimmt!

Aber das Leben muss weitergehen, so auch beim Pasinger Archiv. Und wer könnte das Werk Helmut Eberts besser fortsetzen, als sein Sohn Stefan. Sein ganzes Leben hörte er von seinem Vater die Geschichten vom Pasinger Archiv, erlebte das Fotolabor und die Bildarchivierung am Computer. Das Werk Helmut Eberts findet so seine Fortsetzung.


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